|
Sämtliche rote Ampeln missachtend, bringt uns unser Fahrer gegen 05:00 Uhr zum Flughafen Kolkata. Typisch indisch: forbidden but not followed. Ausgestattet mit den üblichen ca. 50 Seiten Briefing Dokumenten (Anflugkarten, Wetterinfos, Beschreibung zu ADIZ Verfahren, Operativer Flugplan, Enroute Charts, etc) und einem persönlichen Wetter Briefing durch die freundliche Beraterin des DWD ist alles für den ca. 950 naut. Meilen Flug gerichtet. Das übliche Gewitter über Bangladesch steht etwas nördlich der Flugroute – im Zielgebiet erwarten uns ebenfalls „isolated embedded CBs“. Wir sind nicht mehr allzu weit vom Äquator entfernt. Die großflächigen Hebungsvorgänge der ITCZ (Interkontinentalen Konvergenzzone) wirken sich zunehmend auf das Wettergeschehen aus. Mit Bangladesch und Myanmar überfliegen wir dann die vorläufig letzten Länder, in denen wir nicht unbedingt für einen technischen Stopp unsere Reise unterbrechen möchten. Die allgemeine Luftfahrt existiert hier so gut wie nicht. Insofern wäre eine größere Reparatur an unserer Cessna eine echte Herausforderung. Obwohl wir mit Flugfläche 190 (19000 Fuß) eigentlich schon recht hoch unterwegs sind, bricht die Kommunikation mit den Radarlotsen sehr häufig zusammen. Die Squelch Unterdrückung ist in diesen Ländern ein vollkommener Luxus. Stress kommt immer dann auf, wenn die Behörden zusätzliche Positionsmeldungen 10 Minuten vor Erreichen der ADIZ (militärische Identifikationszonen) verlangen. Das gelingt im Fall Bangladesch nur mit freundlicher Unterstützung der indischen Radarlotsen, die unsere Meldung im Relaisverfahren an Bangladesch weiter geben. Auf dem Weg in das wesentlich fliegerfreundlichere Thailand müssen wir nun doch einige Kurskorrekturen beim Radarlotsen erfragen, um den mit CBs umstellten Flugplatz Don Mueang von Bangkok anzufliegen. Im Landeanflug auf die RW21L entdecken wir, zu unserem großen Erstaunen, einen völlig frei zugänglichen, voll belegten Golfplatz zwischen den Landebahnen. Alles Piloten, die angeblich ihr Spiel für jede Landung unterbrechen, wie man uns später versichert. Herzlicher, als hier kann man nicht empfangen werden. Nach knapp 50 Stunden Flugzeit, seit der letzten Wartung in Worms ist jetzt eine Pflege für unser Flugzeug angesagt. Die Mitarbeiter der Werft SGA (ein von Cessna zertifiziertes Maintenance Unternehmen) stehen schon bereit, um das Flugzeug entgegen zu nehmen, als wir vor dem Hangar parken. Der Ground Handler wickelt den Papierkram innerhalb kürzester Zeit ab, während dessen wir uns in deren wunderschönen VIP Räumen entspannen dürfen. Wir sind die ersten Gäste des neu eingeweihten MJets Büros in Bangkok und unsere Autograme landen im Pilotenraum an der Wand. Don Mueang ist der ehemalige International Flughafen von Bangkok, der heute vorwiegend für die nationale und internationale allgemeine Luftfahrt verwendet wird. Die Abfluggebäude wirken ein wenig gespenstisch auf uns, als wir mit dem Golf Kart zum Customs Schalter für die „CIQ“ Prozedur gefahren werden. Die Abflughalle ist in einem hervorragenden Pflegezustand – aber vollkommen leer. Der gesamte Gebäudekomplex misst schätzungsweise 1 Kilometer in der Länge. Ein imposantes Gebäude, das so machen internationalen Flughafen in Europa in den Schatten stellen dürfte. Das Bild, das die Presse im Moment von Bangkok zeichnet können wir zunächst nicht finden. Nur eine pulsierende Großstadt, in der sich jeder unbekümmert bewegt. Eins fällt aber auf, es gibt überwiegend inländische Touristen. Diese genießen es, ihr heiligen Stätten einmal für sich zu haben. Im Gegensatz zu China und Japan ist die Gestalt des Buddha hier schlank, hat große Ohren (fürs gute Zuhören) und bemerkenswerter Weise auch eine lange Nase. Gold und Glitzer, Spiegelsteine, sowie Mischwesen aus Schlange, Löwe und Adler wehren das Böse ab. Ein junger Mönch sitzt rauchend, eine Cola Dose neben sich, auf den Stufen des Tempels. Ein normaler junger Mann, nicht ganz unser Klischee bedienend. Hier werden die jungen Männer mit 20 Jahren für drei Monate oder länger zum Mönchdasein verpflichtet. „Leider“, so klagt unser Reiseführer, „ist mittleierweile auch hier die Gleichberechtigung eingezogen“. Junge Frauen mit weißen Gewändern und geschorenen Häuptern haben nun auch das Recht den Buddhismus zu studieren. Haben wir es von Ägypten bis hier her nahezu geschafft den Touristenfallen zu entgehen, begeben wir uns nun freiwillig in die größte: die schwimmenden Märkte von Bangkok. Es ist äußerst interessant durch die Kanäle zu gleiten und vor allem die Garküchen auf den schmalen Booten zu beobachten. Aber natürlich leben die Menschen auch hier nicht allein vom Zuschauen. Wir werden von Kitsch- und Tandständen zu Tanzaufführungen,… gelotst. Am Nachmittag müssen wir unsere Pläne erst einmal auf Eis legen. Genau am Hotel vorbei zieht eine Großdemonstration der „Rothemden“. Eigentlich wollten wir durch unsere Hotelwahl direkt am Flughafen Don Mueang dem Ärger aus dem Weg gehen. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Zurück bleiben einige Hundertschaften an Polizei und ein etwas beklemmendes Gefühl, ob wir am Morgen tatsächlich starten werden.
|